Mittwoch, 18. September 2013
Ärgernisse
naomi.wissan, 19:18h
Hm, vorhin dachte ich daran, dass vielleicht gar nicht ich selbst zerbrochen bin. Sondern etwas in mir. Die Jugend? Die Jugendlichkeit? Das, was junge, fröhliche Mädchen ausmacht? Die Naivität oder, es graut mir fast: die Unbeschwertheit? Wenn man ins Leben geworfen wird und nichts so läuft, wie man es sich vorstellt und es einen richtig tief hinunter zieht, wenn man als junge Frau (ja, als junge Frau ist es mindestens 100 Mal härter als wenn man ein junger Mann ist) in die große, weite Welt zieht und sich der Realität stellen muss, ganz alleine, gegen eine alternde Männergesellschaft und man merkt, dass man von niemandem und keinem ernst genommen wird. Wenn man merkt, dass weder Frauen noch Männer einen ernst nehmen, einem etwas zutrauen und frau sich, wenn sie Glück hat, erst beweisen muss, (andere Menschen geben dir als Frau niemals eine Chance, für sie bist du entweder eine Bald-Mutter oder eine Mutter, die sich um den Mann, die Kinder und den Haushalt zu kümmern hat), dann kann es sein, dass eine Frau in sich zusammenstürzt. Ich lese sehr viele verschiedene Frauenmagazine. Ich staune immer wieder (negativ) über diese ganzen „Erfolgskarrerie“-Frauen, die darin vorgestellt werden. Alles in allem kann man diese Frauen in drei Worten zusammenfassen: Mütter, selbstständig, Frauengeschäft. Alles sind sie Mütter, die entweder nicht mehr in ihren alten Job zurück wollten der auch konnten. Sie sind selbstständig, um „Familie und Beruf“ unter einen Hut zu bekommen (denn ob sie es wollen oder nicht, für sie verändert sich ihr gesamtes Leben nach einem Kind, für deren Männer leider nicht so sehr, oder wo sind die selbstständigen Erfolgsväter, die ihrem Kind zuliebe auf die Karriere in einem Unternehmen verzichtet haben und sich stattdessen in einem 1-2 Mann Geschäft verwirklichen?), und diese Frauen sind (meist) selbstständig in einem Frauen spezifischen Beruf. Entweder sammeln sie Früchte und kochen Marmelade, die sie vertreiben, oder sie stricken für Babys, Kinder, Frauen oder Omas, sie stellen Dekozeugs her für Baby, Kinder oder Frauen, etc. Die Liste ist endlos. Aber meistens sind es Bastelberufe für Erwachsene und haben meistens mit Nähen, Kochen oder dem Haushalt oder Kinder an sich zu tun. Diese Frauen entfliehen ihrem Zuhause und der Hausarbeit nur, indem sie diese Arbeit in nach draußen in ein Geschäft verlagern und ihre Dienste und Produkte für Geld anbieten. Und meine Meinung dazu ist eine schrecklich grauenhafte. Nichts stimmt mich missmutiger als das Foto einer lächelnden Supermama, die es in solch einem Beruf geschafft hat. Gut, wenn sie Geld verdient und damit glücklich ist, dann ist es für die einzelne Person völlig in Ordnung. Aber mir geht es um das Gesamtbild, das damit vermittelt wird. Frauen an den Herd! Zurück in eure Nischen! Karriere? Unternehmerin? Ja, gerne, aber dann bleib bei deinesgleichen. So selten und so wenige sehe ich oder lese von ihnen, die keine Schürzen bedrucken oder Kuchen backen.
Dann gibt es eine ganz neue Bewegung: die Frauen, die Karrierefrauen beraten. Solche, die einmal jemand waren oder es hätten werden können (Vor den Kindern) und nun andere Frauen „coachen“. Sei es in Selbstfindungsseminaren, bei Karrierefragen (kann ich mich als Näherin selbstständig machen) oder bei Themen, sich gegen Männer durchzusetzen.
Ich selbst habe einmal so ein Seminar besucht. Damals glaubte ich noch, dass ich in den geheimen, coolen Männerclub schon irgendwann aufgenommen werde, wenn ich mich nur wirklich anstrenge und jegliche Weiblichkeit aus mir verbanne und „härter“ und „sachlicher“ werde (eben dieser Mist).
Die Seminarleiterin selbst war leider nur eine Deutschlehrerin, die für mich persönlich keinerlei Erfahrungen im Umgang mit der kalten Unternehmerwelt der Männer besaß und die anderen Teilnehmerinnen alles Frauen, die ich nirgendwo auf der Straße finde. Meiner Ansicht nach gehörten wir eher in eine Therapie als in ein Seminar. Und zwar alle gemeinsam, plus Leiterin.
Wer hat uns die Tür zum Erfolg so verschlossen? Sind wir es? Oder sind es wirklich die Männer? Hört dieser Geschlechterkampf denn niemals auf?
Müssen Frauen immer noch kämpfen?
Früher sind wir auf die Straße gegangen und haben lauthals für unsere Gleichberechtigung gekämpft. Findet nun ein versteckter, gar stummer Kampf im Inneren statt? Dort, wo anscheinend moderne Beziehungen geführt werden und sie nur einen neuen Namen, nicht aber reale Veränderungen erhalten haben?
Sind wir alle eigentlich nur Mütter, die, weil sie arbeiten wollen oder müssen, neben ihren Verpflichtungen zu Hause eine „Karriere“ haben? Sind wir immer noch in den 50er Jahren, nur mit Smartphone und Coaches?
Heute hat mir ein Mann, mit dem ich geschäftlich einmal zutun hatte, „einmal eine eigene Familie“ gewünscht. Hätte er das auch meinem Mann gewünscht? Ist es in den Augen aller Männer das einzige und höchste sinnvolle Ziel einer Frau, Mutter zu sein? Und bekräftigen wir diese Männer noch darin, indem wir freiwillig diese krankhafte Doppelbelastung von Kind und Beruf auf uns nehmen?
Es ist nicht der ewige Vorwurf an uns, dass wir nie genug haben können und alles wollen. Es ist nicht so, dass wir Familie wollen plus eine Karriere. Es ist so, dass wir das Geschlecht sind, das die Kinder austrägt und einige Zeit nährt. Das mag vorübergehend für eine Frau sicher der Sinn des Lebens sein. Und eine wundervolle, tiefe Erfahrung, die das eigene Leben bereichert und erfüllt. Es ist aber auch so, dass wir abgesehen davon Menschen sind, die eine Aufgabe wollen. Die Erfolg wollen, Anerkennung, Geld, vielleicht auch Macht, die Unabhängigkeit wollen und ein richtiges Leben. Abenteuer, Spaß und was es alles gibt. Ich will nicht aufgrund des Umstandes, dass ich vorübergehend einmal an ein Kind gefesselt bin, mein komplettes Dasein nur darauf beziehen. Kinder haben Väter. Ich glaube, das vergessen wir zu oft. Und Väter lieben ihre Kinder. Und ihre Familie. Und ihre Frauen. Aber bitte, wer sagt schon nein zu seinem Partner, wenn dieser freiwillig die Erziehung, den Haushalt und dazu noch einen Job übernimmt? Da kommt extra Kohle ins Haus und ich hab eine Nanny plus Hausfrau. Ist doch prima, oder? Würde ich auch nichts dagegen haben. Wir machen es den Männern zu leicht.
Um auf den Anfang zurück zu kommen: die Naivität und der Glaube, wir würden in einer ziemlich gleichberechtigten Welt leben, sind tot.
Dann gibt es eine ganz neue Bewegung: die Frauen, die Karrierefrauen beraten. Solche, die einmal jemand waren oder es hätten werden können (Vor den Kindern) und nun andere Frauen „coachen“. Sei es in Selbstfindungsseminaren, bei Karrierefragen (kann ich mich als Näherin selbstständig machen) oder bei Themen, sich gegen Männer durchzusetzen.
Ich selbst habe einmal so ein Seminar besucht. Damals glaubte ich noch, dass ich in den geheimen, coolen Männerclub schon irgendwann aufgenommen werde, wenn ich mich nur wirklich anstrenge und jegliche Weiblichkeit aus mir verbanne und „härter“ und „sachlicher“ werde (eben dieser Mist).
Die Seminarleiterin selbst war leider nur eine Deutschlehrerin, die für mich persönlich keinerlei Erfahrungen im Umgang mit der kalten Unternehmerwelt der Männer besaß und die anderen Teilnehmerinnen alles Frauen, die ich nirgendwo auf der Straße finde. Meiner Ansicht nach gehörten wir eher in eine Therapie als in ein Seminar. Und zwar alle gemeinsam, plus Leiterin.
Wer hat uns die Tür zum Erfolg so verschlossen? Sind wir es? Oder sind es wirklich die Männer? Hört dieser Geschlechterkampf denn niemals auf?
Müssen Frauen immer noch kämpfen?
Früher sind wir auf die Straße gegangen und haben lauthals für unsere Gleichberechtigung gekämpft. Findet nun ein versteckter, gar stummer Kampf im Inneren statt? Dort, wo anscheinend moderne Beziehungen geführt werden und sie nur einen neuen Namen, nicht aber reale Veränderungen erhalten haben?
Sind wir alle eigentlich nur Mütter, die, weil sie arbeiten wollen oder müssen, neben ihren Verpflichtungen zu Hause eine „Karriere“ haben? Sind wir immer noch in den 50er Jahren, nur mit Smartphone und Coaches?
Heute hat mir ein Mann, mit dem ich geschäftlich einmal zutun hatte, „einmal eine eigene Familie“ gewünscht. Hätte er das auch meinem Mann gewünscht? Ist es in den Augen aller Männer das einzige und höchste sinnvolle Ziel einer Frau, Mutter zu sein? Und bekräftigen wir diese Männer noch darin, indem wir freiwillig diese krankhafte Doppelbelastung von Kind und Beruf auf uns nehmen?
Es ist nicht der ewige Vorwurf an uns, dass wir nie genug haben können und alles wollen. Es ist nicht so, dass wir Familie wollen plus eine Karriere. Es ist so, dass wir das Geschlecht sind, das die Kinder austrägt und einige Zeit nährt. Das mag vorübergehend für eine Frau sicher der Sinn des Lebens sein. Und eine wundervolle, tiefe Erfahrung, die das eigene Leben bereichert und erfüllt. Es ist aber auch so, dass wir abgesehen davon Menschen sind, die eine Aufgabe wollen. Die Erfolg wollen, Anerkennung, Geld, vielleicht auch Macht, die Unabhängigkeit wollen und ein richtiges Leben. Abenteuer, Spaß und was es alles gibt. Ich will nicht aufgrund des Umstandes, dass ich vorübergehend einmal an ein Kind gefesselt bin, mein komplettes Dasein nur darauf beziehen. Kinder haben Väter. Ich glaube, das vergessen wir zu oft. Und Väter lieben ihre Kinder. Und ihre Familie. Und ihre Frauen. Aber bitte, wer sagt schon nein zu seinem Partner, wenn dieser freiwillig die Erziehung, den Haushalt und dazu noch einen Job übernimmt? Da kommt extra Kohle ins Haus und ich hab eine Nanny plus Hausfrau. Ist doch prima, oder? Würde ich auch nichts dagegen haben. Wir machen es den Männern zu leicht.
Um auf den Anfang zurück zu kommen: die Naivität und der Glaube, wir würden in einer ziemlich gleichberechtigten Welt leben, sind tot.
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