Mittwoch, 18. September 2013
Ärgernisse
Hm, vorhin dachte ich daran, dass vielleicht gar nicht ich selbst zerbrochen bin. Sondern etwas in mir. Die Jugend? Die Jugendlichkeit? Das, was junge, fröhliche Mädchen ausmacht? Die Naivität oder, es graut mir fast: die Unbeschwertheit? Wenn man ins Leben geworfen wird und nichts so läuft, wie man es sich vorstellt und es einen richtig tief hinunter zieht, wenn man als junge Frau (ja, als junge Frau ist es mindestens 100 Mal härter als wenn man ein junger Mann ist) in die große, weite Welt zieht und sich der Realität stellen muss, ganz alleine, gegen eine alternde Männergesellschaft und man merkt, dass man von niemandem und keinem ernst genommen wird. Wenn man merkt, dass weder Frauen noch Männer einen ernst nehmen, einem etwas zutrauen und frau sich, wenn sie Glück hat, erst beweisen muss, (andere Menschen geben dir als Frau niemals eine Chance, für sie bist du entweder eine Bald-Mutter oder eine Mutter, die sich um den Mann, die Kinder und den Haushalt zu kümmern hat), dann kann es sein, dass eine Frau in sich zusammenstürzt. Ich lese sehr viele verschiedene Frauenmagazine. Ich staune immer wieder (negativ) über diese ganzen „Erfolgskarrerie“-Frauen, die darin vorgestellt werden. Alles in allem kann man diese Frauen in drei Worten zusammenfassen: Mütter, selbstständig, Frauengeschäft. Alles sind sie Mütter, die entweder nicht mehr in ihren alten Job zurück wollten der auch konnten. Sie sind selbstständig, um „Familie und Beruf“ unter einen Hut zu bekommen (denn ob sie es wollen oder nicht, für sie verändert sich ihr gesamtes Leben nach einem Kind, für deren Männer leider nicht so sehr, oder wo sind die selbstständigen Erfolgsväter, die ihrem Kind zuliebe auf die Karriere in einem Unternehmen verzichtet haben und sich stattdessen in einem 1-2 Mann Geschäft verwirklichen?), und diese Frauen sind (meist) selbstständig in einem Frauen spezifischen Beruf. Entweder sammeln sie Früchte und kochen Marmelade, die sie vertreiben, oder sie stricken für Babys, Kinder, Frauen oder Omas, sie stellen Dekozeugs her für Baby, Kinder oder Frauen, etc. Die Liste ist endlos. Aber meistens sind es Bastelberufe für Erwachsene und haben meistens mit Nähen, Kochen oder dem Haushalt oder Kinder an sich zu tun. Diese Frauen entfliehen ihrem Zuhause und der Hausarbeit nur, indem sie diese Arbeit in nach draußen in ein Geschäft verlagern und ihre Dienste und Produkte für Geld anbieten. Und meine Meinung dazu ist eine schrecklich grauenhafte. Nichts stimmt mich missmutiger als das Foto einer lächelnden Supermama, die es in solch einem Beruf geschafft hat. Gut, wenn sie Geld verdient und damit glücklich ist, dann ist es für die einzelne Person völlig in Ordnung. Aber mir geht es um das Gesamtbild, das damit vermittelt wird. Frauen an den Herd! Zurück in eure Nischen! Karriere? Unternehmerin? Ja, gerne, aber dann bleib bei deinesgleichen. So selten und so wenige sehe ich oder lese von ihnen, die keine Schürzen bedrucken oder Kuchen backen.
Dann gibt es eine ganz neue Bewegung: die Frauen, die Karrierefrauen beraten. Solche, die einmal jemand waren oder es hätten werden können (Vor den Kindern) und nun andere Frauen „coachen“. Sei es in Selbstfindungsseminaren, bei Karrierefragen (kann ich mich als Näherin selbstständig machen) oder bei Themen, sich gegen Männer durchzusetzen.
Ich selbst habe einmal so ein Seminar besucht. Damals glaubte ich noch, dass ich in den geheimen, coolen Männerclub schon irgendwann aufgenommen werde, wenn ich mich nur wirklich anstrenge und jegliche Weiblichkeit aus mir verbanne und „härter“ und „sachlicher“ werde (eben dieser Mist).
Die Seminarleiterin selbst war leider nur eine Deutschlehrerin, die für mich persönlich keinerlei Erfahrungen im Umgang mit der kalten Unternehmerwelt der Männer besaß und die anderen Teilnehmerinnen alles Frauen, die ich nirgendwo auf der Straße finde. Meiner Ansicht nach gehörten wir eher in eine Therapie als in ein Seminar. Und zwar alle gemeinsam, plus Leiterin.
Wer hat uns die Tür zum Erfolg so verschlossen? Sind wir es? Oder sind es wirklich die Männer? Hört dieser Geschlechterkampf denn niemals auf?

Müssen Frauen immer noch kämpfen?
Früher sind wir auf die Straße gegangen und haben lauthals für unsere Gleichberechtigung gekämpft. Findet nun ein versteckter, gar stummer Kampf im Inneren statt? Dort, wo anscheinend moderne Beziehungen geführt werden und sie nur einen neuen Namen, nicht aber reale Veränderungen erhalten haben?
Sind wir alle eigentlich nur Mütter, die, weil sie arbeiten wollen oder müssen, neben ihren Verpflichtungen zu Hause eine „Karriere“ haben? Sind wir immer noch in den 50er Jahren, nur mit Smartphone und Coaches?
Heute hat mir ein Mann, mit dem ich geschäftlich einmal zutun hatte, „einmal eine eigene Familie“ gewünscht. Hätte er das auch meinem Mann gewünscht? Ist es in den Augen aller Männer das einzige und höchste sinnvolle Ziel einer Frau, Mutter zu sein? Und bekräftigen wir diese Männer noch darin, indem wir freiwillig diese krankhafte Doppelbelastung von Kind und Beruf auf uns nehmen?
Es ist nicht der ewige Vorwurf an uns, dass wir nie genug haben können und alles wollen. Es ist nicht so, dass wir Familie wollen plus eine Karriere. Es ist so, dass wir das Geschlecht sind, das die Kinder austrägt und einige Zeit nährt. Das mag vorübergehend für eine Frau sicher der Sinn des Lebens sein. Und eine wundervolle, tiefe Erfahrung, die das eigene Leben bereichert und erfüllt. Es ist aber auch so, dass wir abgesehen davon Menschen sind, die eine Aufgabe wollen. Die Erfolg wollen, Anerkennung, Geld, vielleicht auch Macht, die Unabhängigkeit wollen und ein richtiges Leben. Abenteuer, Spaß und was es alles gibt. Ich will nicht aufgrund des Umstandes, dass ich vorübergehend einmal an ein Kind gefesselt bin, mein komplettes Dasein nur darauf beziehen. Kinder haben Väter. Ich glaube, das vergessen wir zu oft. Und Väter lieben ihre Kinder. Und ihre Familie. Und ihre Frauen. Aber bitte, wer sagt schon nein zu seinem Partner, wenn dieser freiwillig die Erziehung, den Haushalt und dazu noch einen Job übernimmt? Da kommt extra Kohle ins Haus und ich hab eine Nanny plus Hausfrau. Ist doch prima, oder? Würde ich auch nichts dagegen haben. Wir machen es den Männern zu leicht.
Um auf den Anfang zurück zu kommen: die Naivität und der Glaube, wir würden in einer ziemlich gleichberechtigten Welt leben, sind tot.

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Herzlich Willkommen hier im Bloggerdorf!

Interessante Gedankengänge. Viele dieser Fragen stelle ich mir auch oft. Insbesondere als Frau, die sich aus freien Stücken gegen Kinder entschieden hat, darf ich mir allerhand Vorurteile gefallen lassen. Karrieregeil zu sein, kaltherzig, unsozial, egoistisch, darauf aus, fünf Mal im Jahr in den Urlaub zu fahren und dergleichen mehr.

Als Frau, aber in erster Linie als Mensch ernst genommen zu werden, ist so wichtig, und ich kann mir gut vorstellen, dass man daran verzweifeln kann. Ich habe es nie auf Karriere angelegt, aber es war und ist mir wichtig, berufstätig zu sein (auch, wenn ich zur Zeit leider arbeitslos bin) und für mich selbst sorgen zu können, worin ich auch keinen Widerspruch zu meinem Verheiratetsein sehe. Wenn man aber zugleich auch noch beweisen muss, dass man es wert ist, ernstgenommen und anständig bezahlt zu werden, dann laugt das aus, und es sägt auch permanent an der eigenen Identität. Ganz ähnlich, wie Sie schreiben ("(...) wenn ich mich nur wirklich anstrenge und jegliche Weiblichkeit aus mir verbanne und „härter“ und „sachlicher“ werde (eben dieser Mist)."), meint man, hart und unweiblich sein zu müssen. Ich hatte das große Glück, für lange Zeit in einem IT-Team arbeiten zu können, in dem ich (obwohl ich 3:1 den Männern gegenüber in der Unterzahl war) mich niemals verbiegen musste. Aber ehrlich gesagt würde ich auch nichts beruflich tun wollen, wofür ich mich verbiegen müsste, und die Anzug-und-Krawatten-Mentalität der sogenannten Führungsetagen war noch nie mein Ding - also sehe ich mich da auch nicht.

Dumm ist, dass diese Bipolarität aufgrund klischeebehafteter Rollenzuweisungen weiterhin besteht. Es wird einfach vorausgesetzt, dass für das Überleben in den Führungsetagen Ellenbogen, Durchsetzungskraft, Rücksichtslosigkeit und darüber hinaus ein beträchtliches Maß an Überstunden nötig sind, und man setzt außerdem voraus, dass Männer all dies besser leisten können als Frauen. Das sehe ich zum einen durchaus als männlichen Denkfehler, andererseits profitieren die Männer aber nicht zwangsläufig davon. Viele verlieren den Kontakt zu ihren Kindern und ihrer Frau und würden vielleicht gern weniger arbeiten, was aber wiederum aus zweierlei Gründen nicht geht: Zum einen ist es immer noch schwierig, als Mann zu vermitteln, dass man auch gern weniger als 40 Stunden die Woche arbeiten würde und der betreffende Mann wäre bei derartiger Arbeitsverweigerung flott draußen aus dem Kampf um die guten Positionen. Und zweitens gibt es da diesen Versorgungsanspruch vieler Frauen, der es erst erforderlich macht, dass sich Männer so über alle Maßen im Job lang machen. Denn es gibt auch immer noch viele Frauen, die auf das Alleinversorger-Modell stehen und die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung einer gleichberechtigten und gleichverantwortlichen Arbeitsteilung vorziehen. Dem Mann ist es im Laufe der Geschichte anerzogen worden, sich in der kapitalistischen Arbeitsmaschinerie total verwerten zu lassen, und der Frau ist es anerzogen worden, die für diese totale Verwertung nötige Reproduktionsarbeit (Haushalt, Kinder, Kochen) zu leisten. Dieses System trägt sich, gereicht aber beiden Geschlechtern meines Erachtens nach nicht zum Vorteil.

Sicher müssen wir alle immer noch kämpfen, aber ich finde, das gilt für Männer und Frauen. Die Frauen haben sich zumindest ansatzweise mit dem Gedanken an Erwerbsarbeit angefreundet, aber die Männer sind immer noch nicht vertraut mit dem Gedanken daran, sich in nennenswertem Maß mit um Haushalt und Kinder zu kümmern (nicht nur als Hilfe für die Frau oder Alibi, sondern wirklich gleichwertig). Allerdings glaube ich, dass das bei ganz jungen Eltern inzwischen anders wird, ich bin da nicht ganz hoffnungslos.

Die "Zeit" brachte neulich einen Artikel über die Entfremdung französischer Mütter von ihren Kindern, was offenbar an der frühen und umfassenden Fremdbetreuung liegen soll. Jetzt geht der Trend immer mehr dahin, dass diese Mütter unzufrieden sind und sich wieder zurückziehen auf ein Hausfrau- und Mutterdasein. Dieser Artikel wurde vielerorts missverstanden als Bestätigung dafür, dass Frauen eben doch am besten die Kinder selbst betreuen sollen und die Rollenaufteilung schon so ihren Sinn hat. Aber über die Väter hat auch hier wieder keiner gesprochen oder geschrieben, nur am Rande wurde erwähnt, dass die Männer nach der Arbeit nach hause kommen und allenfalls mal fragen, wie es der Frau mit der Doppelbelastung denn so ergangen sei. Hände rühren, mit dabei sein als Vater, präsent sein, Lasten teilen - alles Fremdwörter.

Ertappt fühle ich mich nur ein bisschen bei Ihrer Schilderung der nähenden, strickenden Frauen. Einen Gefallen sollten Sie sich tun: Geben Sie das Lesen von sogenannten Frauenzeitschriften auf. Zunächst sind auch diese Blätter nichts weiter als Werbeflächen und Räume für Product Placement. Darüber hinaus vermitteln sie ein Frauenbild, das mit der Realität der meisten Frauen glaube ich nichts zu tun hat. Da wird wirklich starr das Bild der super erfolgreichen Frau gezeichnet, aber genau wie Männer scheitern Frauen, schlagen Haken... Nur ist das offensichtlich nicht so berichtenswert. Selbst eine Reportage über eine überstandene Chemotherapie muss da zur Erfolgsstory verkommen. Was die Betätigungsfelder der Frauen betrifft: Ich selber nähe auch. Mir ist zwar noch nicht der Gedanke gekommen, einen DaWanda-Shop zu eröffnen und zu versuchen, mit den Verkäufen von Selbstgenähtem meinen Karriereknick zu kompensieren, aber dennoch ist Nähen etwas ganz Interessantes, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Textilindustrie ein ganz bestimmtes weibliches Körperbild propagiert, gegen das man sich zumindest ansatzweise wehren kann, wenn man seine Kleidung selbst herstellt.

Die Konnotierung der einzelnen Tätigkeiten als "weiblich" oder "männlich" ist künstlich und sollte uns als Menschen nicht davon abhalten, zu tun, was uns Spaß macht. Neben Nähen, Häkeln und Stricken habe ich beispielsweise auch eine ausgeprägte Freude an handwerklichen Tätigkeiten, schraube gern am Fahrrad, streiche und zimmere, will herausfinden, wie etwas funktioniert und fuchtele mit der Heckenschere herum. Niemals würde ich däumchendrehend darauf warten, dass der Mann mir einen Nagel in die Wand schlägt, und trotzdem habe ich meist lackierte Fingernägel.

Damit sich Menschen gerecht werden können, gleich ob Mann oder Frau, müssen sie die Möglichkeit haben, herauszufinden, was sie wollen. Das erfordert meiner Meinung nach erst einmal ein Bewusstsein über geschlechtliche Rollenklischees und die Möglichkeit, sich darüber hinwegzusetzen, weil die Entwicklung eines Willens gar nicht möglich ist, wenn man bestimmte Dinge als "natürlich" oder "naturgegeben" hinnimmt - demzufolge wären diese nämlich ein "Müssen". Wenn nach der Erlangung dieses Bewusstseins eine Frau trotzdem sagt, dass sie gern Erzieherin wird, Köchin, Näherin, dann ist das doch in Ordnung. Aber es muss auch in Ordnung sein, wenn eine Frau sagt, sie möchte ihr Leben lieber mit Abenteuerreisen verbringen, an Autos schrauben, eine große Bank managen, genau so, wie ein Mann auch sagen können sollte, dass er sich gern um die Kinder kümmern möchte, Kleider nähen (solche gibt es!) oder einen Blumengarten anlegen.

Ich glaube auch nicht, wir leben schon in einer gleichberechtigten Welt. Wir sind weit davon entfernt. Aber die Flinte ins Korn werfen?

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Hallo meine erste blogger-Antworterin!

Ich werde ganz sicher in Zukunft versuchen, an diesen miesmachenden Frauenzeitschriften vorbeizugehen. Wobei mir das sicher schwer fallen wird, denn manchmal wünsche ich mir einfach nur eine halbe Stunde leichte Unterhaltung, in der ich mich mit einer Tasse Kaffee und einer Zeitschrift zurückziehen kann und die Welt Welt sein lassen kann. Aber am Ende der halben Stunden verspüre ich jedes Mal eine Wut und würde die Zeitung am liebsten in die Ecke schmeißen.
Es ist sehr interessant, zu lesen, dass Sie sich bewusst gegen Kinder entschieden haben. Ich selbst bin gerade an dem Punkt, ob ich eigentlich eine Familie möchte. Ich meine nicht mich als Frau, sondern ich als Person, die ich eben bin. Seit über eiem Jahr bin ich verheiratet und war davor das leidige Thema immer, wann denn mein Freund und ich nun endlich vor den Traualter treten, ist es nun das Thema Kinder. Alte Freunde und Familie scheinen nun meine biologische Uhr ticken zu hören (seltsam, denn ich nehme da gar nichts wahr) und appellieren eindringlich, aber erfolglos an mein Muttergen/Kindeswunsch. Nunja, ich bin zufrieden mit meiner Ehe, meinem Mann (der kocht, wenigstens einen Teil des Putzens übernimmt, der sich um unsere Pflanzen kümmert, weil ich alles Lebendige leider zur Neige gehen lasse und der meine Kleidung näht, weil ich es wirklich schlecht kann). Wenigstens lässt er mir genug Freiraum, aber er wurde auch sehr frei erzogen und seine Mutter selbst war schon eine starke, unabhängige Frau.
Und ja, ich weiß , dass ich vorschnell darüber urteile, dass Frauen sich in "haushaltsähnlichen" Berufen selbst verwirklichen, leider geht dieses Klischee nicht an mir vorbei. Ich ertrage diese Berichte nicht mehr, ich finde sie nähren nur die Ungleichheit und spielen der Doppelbelastung immer mehr in die Hände. Eigentlich ist es genau diese Doppelbelastung, vor der ich mich fürchte. Weil wir eben noch in dieser Steinzeit-Rollenverteilung leben. Sie ist der Grund, aus dem ich (noch) auf Kinder verzichten will.
Den Artikel in der Zeit habe ich leider nicht gelesen, aber ich kann mir vorstellen, wie er wieder in die Richtung: "Kinder brauchen ihre Mütter" interpretiert wurde und zwar in dem Sinne, dass Frauen eben doch in das Haus gehören. Das Buch "Der Konflikt" von Élisabeth Badinter spricht mir da nur aus der Seele. Falls Sie es nicht kennen, darin geht es vor allem darum, wie die Gesellschaft sich wieder gegen den Feminismus zurück entwickelt und der Frau und Mutter vor allem durch die Naturgesetze zu ihrer eigentlichen Rolle und Pflicht zurück "verhelfen" will: dem Mutterdasein. Ich glaube ich habe es schon drei oder vier Mal gelesen, es ist eins der besten Bücher zum modernen Feminismus in den letzten Jahren, wie ich finde.
Wir sind si weit davon entfernt, als gleichwertige Menschen anerkannt zu werden, dass diese Rückentwicklung mir schwer zu schaffen macht. Oder kommt es mir nur so vor, weil ich jetzt einfach aufgrund des Alters und der Lebensumstände in diese Ungerechtigkeit "rutsche"? Weil ich jetzt erst durch meinen Beruf und den meines Mannes bemerke, wie unterschiedlich in Unternehmen mit Frauen und Männern umgegangen wird?
Wie unterschiedlich ich wahrgenommen, behandelt und beurteilt werde?
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Von Élisabeth Badinter habe ich auch schon einiges gelesen, aber dieses spezielle Buch noch nicht. Manchen ist sie ja zu radikal in ihren Ansichten, aber ich finde, dass es eben auch manchmal deutliche Worte braucht, um ein Gegengewicht zu dieser Art Backlash zu schaffen (den ich auch zu beobachten meine).

Ich kann nur zu gut nachvollziehen, was Sie schildern über die Erwartungen von Verwandten und Bekannten bezüglich des Lebensweges, den man deren Meinung nach einschlagen sollte. Ich habe mich ganz lange Zeit geweigert zu heiraten, weil ich genau diese negative Rollenverteilung vor Augen hatte, und hinzu kam, dass ich die Ehe als Gefängnis vorgelebt bekommen habe seitens meiner Eltern. Mein Vater betrog meine Mutter, nicht ein- oder zweimal, sondern chronisch (er zog mich ins Vertrauen), und sie hat sich konstant demütigen lassen, wollte sich aber nie scheiden lassen, weil sie auf Prestige und Geld nicht verzichten wollte. Auf die Idee, selbst etwas aus ihrem Leben zu machen, kam sie nie. Ich war also irgendwie ein gebranntes Kind. Dass ich schließlich doch geheiratet habe, passierte aus praktischen Erwägungen heraus. Mein Jetzt-Gatte und ich wären auch prima ohne Trauschein ausgekommen, aber es ging uns dann doch um die Festschreibung diverser Rechte aneinander und miteinander. Zum Glück sind die Befürchtungen, die ich bezüglich der Ehe hatte, nicht eingetreten. Ich bin allerdings auch weit davon entfernt, die Ehe zu romantisieren oder zur Keimzelle der Gesellschaft zu stilisieren. Für mich ist das eine Verbindung zweier Menschen, die sich dafür entschieden haben, sich mit allen Konsequenzen aufeinander einzulassen. Als solches ist sie auch gut für mich. Aber es gibt ja auch immer noch enorm viele Frauen, deren Primärziel es ist, geheiratet zu werden (!).

Den Floh mit den Kindern habe ich meiner Verwandtschaft recht flott ausgeredet. Einzig meine Schwester meinte mit schöner Hartnäckigkeit, ich solle doch mal abwarten, der Mutterinstinkt stelle sich früher oder später schon ein. Ich bin jetzt fast 37, von Mutterinstinkt ist immer noch keine Spur, ich fühle mich wohl in meinem Leben und das Ticken meiner biologischen Uhr jagt mir genau deshalb nicht die geringste Angst ein. Meine Schwiegereltern haben unseren Beschluss, keine Kinder zu kriegen, aufrichtig akzeptiert. Meine Eltern taten sich schwer damit, aber ich habe gelernt, mir das egal sein zu lassen. Was mir viel mehr zusetzt, sind die gesellschaftlichen Erwartungen und das Kinderlosen-Bashing, das sich in Vorurteilen über DINKs zeigt, aber auch diese schwachmatischen Vorschläge, Kinderlosen zur Strafe die Rente zu kürzen usw.

Zum Glück besteht unser Freundeskreis weitestgehend aus freiwillig kinderlosen Leuten. Das haben wir uns nicht von vornherein so ausgesucht, sondern es hat sich so ergeben, vermutlich, weil wir alle ähnlich ticken. Die zwei Paare, mit denen wir am engsten befreundet sind, haben beide nie Kinder für sich in Erwägung gezogen. Dennoch habe ich auch überhaupt nichts gegen Kinder, ich bin gern Tante meiner fünf Nichten und Neffen, und es macht mir Spaß, mit ihnen umzugehen und sie aufwachsen zu sehen. Schnell wird einem aber ja das Mitspracherecht in Sachen Kinder, Kindererziehung und anderen verwandten Themen abgesprochen, wenn man keine eigenen hat, weil man ja so überhaupt nicht wissen kann, wie Elternschaft ist. Stimmt natürlich, dennoch finde ich, man kann sich für kindliche Entwicklung interessieren, Anteil nehmen und eine Meinung haben, die dann auch respektiert werden sollte, anstatt dass jede Diskussion im Keim erstickt wird durch das Totschlag-Argument: "Werd' Du erstmal Mutter, dann darfst Du mitreden!" Das ist eine Unverschämtheit. Und genau das ist das Schöne an unseren Freundschaften. Da entfällt der Zwang, sich dauernd rechtfertigen zu müssen.

Als Mutter habe ich mich nie gesehen, und ich habe als Teenager zum letzten Mal mit dem Gedanken gespielt, welche Namen ich meinen Kindern geben würde, wenn ich welche hätte. Einen Wunsch, wirklich Kinder zu haben, verspüre ich einfach nicht, und das ganz unabhängig von den rationalen Gründen, die gegen eigene Kinder sprechen. Ich finde, dass das für eine Frau auch akzeptiert gehört. Männern, die keine Kinder wollen, stellt man allenfalls in Ausnahmefällen unangenehme Fragen. Frauen spricht man gleich ihren Lebenssinn, ihre Erfüllung oder gar ihr Frausein ab und begründet das dann oft auch noch biologistisch, was ich haarsträubend finde. Niemand hat doch das Recht zu entscheiden, was eine Frau aus ihrem Leben machen wollen soll.

Die Haushaltsfrage finde ich auch interessant. Ich habe mal eine österreichische Studie zu dem Thema gelesen, in der es um die Selbstwahrnehmung junger Paare in Sachen Haushaltsarbeit ging. Die Mehrheit der Paare nahmen sich als gleichberechtigt wahr, was aber bereits vor der Ankunft eines Kindes nicht immer stimmte, denn wenn es dann darum ging, wirklich quantitativ festzuhalten, wer tatsächlich mehr Aufgaben im Haushalt übernimmt, lag das Gewicht doch deutlich auf der Seite der Frauen. Nach dem ersten Kind änderte sich dann noch mal alles dramatisch, da haben dann trotz anderslautender Vorsätze vor der Geburt automatisch die Frauen den Löwenanteil übernommen, die Männer haben sich zurückgezogen. Ich drück's mal zart aus: Da ist noch viel, viel Spielraum für Entwicklung.

Beruflich natürlich auch. Wenn man sich als Frau (auch, wenn es faktisch nicht erlaubt ist) beispielsweise in Vorstellungsgesprächen noch immer die Frage gefallen lassen muss, wie es denn mit der Familienplanung aussieht oder wer die Betreuung der Kinder übernimmt, falls die mal krank werden, ist es mit Gleichberechtigung nicht weit her. Männer werden sowas nicht gefragt, weil noch immer vorausgesetzt wird, dass die Kinderbetreuung in den Händen der Frauen liegt. Das gilt dann auch als Karrierehemmschuh, als Merkmal von Unzuverlässigkeit. Außerdem finde ich es unmöglich, wie mit dem Betreuungsgeld ohnehin schon privilegierte Menschen noch weiter gefördert werden. Denn zum Beispiel Alleinerziehende müssen arbeiten, um ihren Lebensunterhalt sicherzustellen, oft machen sie sogar mehrere Jobs und schultern dann noch die von Ihnen angesprochene Doppelbelastung. Sie könnten auch mit den 100,- bzw. 150,- Euro Herdprämie nicht zuhause bleiben, weil das nie und nimmer ein Einkommen ersetzt. Die Betreuung zuhause kann sich eh nur leisten, wer einen dahinter stehenden Alleinverdiener mit entsprechendem Einkommen hat, das für die ganze Familie reicht, oder einen Großelternteil, der die Kita ersetzt. Und diese Leute kriegen dann noch einen Bonus. Tolle Politik. Zeigt recht deutlich, was für ein Frauen-/Familienbild die jetzige Regierung hat. Ist doch haarsträubend.

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"Wenn man sich als Frau (auch, wenn es faktisch nicht erlaubt ist) beispielsweise in Vorstellungsgesprächen noch immer die Frage gefallen lassen muss, wie es denn mit der Familienplanung aussieht oder wer die Betreuung der Kinder übernimmt, falls die mal krank werden, ist es mit Gleichberechtigung nicht weit her. Männer werden sowas nicht gefragt,"

Doch, das werden auch Männer gefragt. Männer haben auch mittlerweile Nachteile zu befürchten ("steinzeitlicher Chauvinist") wenn sie "zugeben", daß sie Alleinversorger sind. Die Frage stellte sich bei uns als ein Ehemann sich auf eine Stelle bewarbm die einem Umzug bedeutet hätte, und die Frage aufkam, was denn mit meiner Berufstätigkeit wäre und wie er das mit den Kindern zu handhaben gedenkt, es wurde davon ausgegangen, daß ich Vollzeit berufstätig bin.

Bei den Alleinerziehenden, denen Staat und Gesellschaft doppelte Lasten aufbürden, nämlich Vollzeit zu arbeiten und "nebenbei" Kinder zu erziehen, schlage ich eine klassisch feministische Lösung vor: Anerkennung von Reproduktionsarbeit statt zugegeben lächerlicher 100 Euro Betreuungsgeld. Das Wort "Herdprämie" impliziert, daß man für's Kochen bezahlt wird, aber es geht dabei weder um Salzkartoffeln noch um Kuchen, sondern um die Pflege und Erziehung eines Kindes unter 3 Jahren, also in einem Alter, in dem die Trennung von den Bezugspersonen für das Kind nicht unbedingt einfach ist. Hier geht es um Kindswohl, nicht um Macker, die ihre Frau an den Herd "ketten". Bei unseren Nachbarn ist übrigens Er zu Hause geblieben und findet das ziemlich prima. Das geht auch, aber mit einer Politik, die Menschen nur anerkennt wenn sie wirtschaftlich verwertbar sind, ist das nicht zu machen.

Schade, daß der Feminismus sich auf den Erfüllungsgehilfen des Kapitalismus hat reduzieren lassen.

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Nein, das Wort "Herdprämie" impliziert (und so ist das auch gedacht), dass den Frauen ihre traditionelle Rolle zuhause durch staatliche Förderung wieder verstärkt zugewiesen werden soll. Mit Kochen hat das erst einmal nichts zu tun. Das Modell würde auch mit Männern am Herd funktionieren, wenn es keine Lohnbenachteiligung für Frauen gäbe, denn dann gäbe es möglicherweise mehr Alleinverdienerinnen. Aber das ist nach wie vor nicht die Regel, auch wenn Ihr Nachbar zuhause geblieben ist, was löblich ist, schön für ihn und für seine Kinder, nicht allein für seine Frau.

Ich sehe es nicht als funktionierende Lösung, Reproduktionsarbeit monetär entlohnen zu wollen. Das ändert nämlich nichts an den starren Zuweisungen, dass Reproduktionsarbeit nach wie vor weiblich und Lohnarbeit männlich besetzt ist - ganz unabhängig von den Bewertungen. Im Übrigen frage ich mich, wie das wohl bezahlt werden sollte. Darüber habe ich ja auch schon einmal in meinem eigenen Blog geschrieben.

Der Rückzug der Frauen aus dem Erwerbsleben hin zur Familie als antikapitalistische Bewegung - nun, das kann man so sehen, und ich will Ihnen da nicht grundsätzlich widersprechen. Die kapitalistische Verwertungsmaschinerie hat wenig zu tun mit lebenswertem Leben und dem, was sich wohl die meisten Menschen als Lebensinhalt wünschen. Insofern kann ich Sie auch gut verstehen, wenn Sie schreiben, dass Ihnen die Zeit mit Ihren Kindern weit mehr wert ist als irgendein stumpfer Bürojob. Der Witz dabei ist nur, wenn sich die Frauen aus dem Erwerbsleben komplett zurückziehen, um diesem Verwertungsdruck zu entgehen, wer trägt dann die komplette Last und steht vollständig in wirtschaftlicher Zwangssituation? Der Mann. Ich finde, diese idyllische Nische der Frauen ist teuer erkauft: Mit der Entfremdung der Väter von ihren Kindern und oft auch der Partnerin, mit der totalen Verwertung ihrer Arbeitskraft, mit der einseitigen Belastung der Frau mit allem, was nicht Lohnarbeit ist.

Es wird sich in Deutschland allenthalben gewundert, warum die Kinderzahl rückläufig ist. Mal ganz davon abgesehen, dass ich nicht von der Notwendigkeit überzeugt bin, die Kinderzahl steigern zu müssen, ist der Rückgang logische Konsequenz unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems. Von Arbeitnehmern wird zunehmend gefordert, immer flexibler, verfügbarer und leistungsstärker zu sein, und wer diese Eigenschaften bereitsstellt, kann sich immer weniger auf die Anforderungen einlassen, die Kinder und Familie bedeuten. Das ist keine wünschenswerte Situation, da bin ich ganz bei Ihnen. Aber die Rückkehr der Frauen in den rein privaten Sektor bedeutet keine Lösung, lediglich eine Verschiebung des Problems. Zugleich bringt sie die Frauen in die Lage, nicht für sich selbst sorgen zu können. Das bedeutet also auch, dass sie auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, wenn es dem Ehegatten plötzlich gefällt, sich eine andere Frau zu suchen und die Familie allein zu lassen. Künstlich generierte Bezahlungen für Erziehungs- und Haushaltsarbeit (die natürlich, absolut fraglos, ihren Wert hat, aber eben keinen monetären Mehrwert erwirtschaftet) halte ich da für keine Lösung. Das Alleinversorger-Hausfrauen-Modell stellt das Funktionieren des Kapitalismus meiner Meinung nach erst sicher, weil Männer, die von ihren Frauen komplett von jeglicher Hausarbeit und Sorge für die Kinder entbunden sind, sich absolut perfekt durch das kapitalistische System ausbeuten lassen. Sie benötigen keine Energieressourcen, um Reproduktionsaufgaben zu gewährleisten, und können diese daher voll und ganz dem Wirtschaftssystem zur Verfügung stellen. Das ist für Arbeitgeber äußerst wünschenswert, weswegen ich mir auch nicht vorstellen kann, dass der von einzelnen Personalern oder Personalerinnen an Alleinversorger vergebene Titel "Chauvi" tatsächlich ein realer Karriereverhinderungsgrund sein könnte. Tatsächlich nehme ich eher an, man weiß um die Einsatzbereitschaft eines Mannes, der sich im Klaren darüber ist, dass das Wohl und Wehe seiner Familie ganz und gar von ihm und seinem Einsatz abhängig ist, und hat damit einen treuen, fleißigen und engagierten Arbeiter an der Hand.

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Dadurch, daß wir uns die Aufgaben so geteilt haben wie wir sie geteilt haben, entfällt der Zwang zum Konsum von Gütern und Dienstleistungen in vielen Bereichen. Stichwort: Hosenknöpfe annähen statt Hose neu kaufen, selber Kochen statt "schneller" Fertiggerichte, die 1/3 teurer sind als hausgemachte Alternativen (das habe ich mir nicht ausgedacht).

Die Tendenz, immer mehr Dinge aus dem zwischenmenschlichen Bereich zu Dienstleistungen zu machen, die dann konsumiert werden und bei denen der Mensch dahinter immer egaler wird, sehe ich als Problem. Beispiel: Tagesmutter (mies bezahlt) statt Mutter oder Vater, Leihomaservice statt Großeltern und so weiter. Dahinter steht die Auswechselbarkeit von Menschen und dann auch der Unwille, Bindung an einzelne Menschen zuzulassen. Menschen sind nicht auswechselbare Funktionsträger, bei denen es egal ist, ob nun Nicole, Stefanie oder Michaela in der Kindergartengruppe sind, da morgen da ja auch Yvonne, Birte oder Sandra stehen können. Und diesem Punkt entgegenzutreten könnte was ändern an der Vernutzbarkeit von Menschen im System. Passiert leider nicht, statt dessen jammert der Feminismus, daß DAX-Konzernalphamädchen diskriminiert werden. Mir ist erstmal egal, ob Ackermann oder Ackerfrau, Investmentbanking wird nicht nachhaltiger nur weil da eine Frau oben steht, sonst wäre Baroness Thatcher ja auch eine sozialverträgliche Politikerin ghewesen statt the milk snatcher"

Vielelicht würde das System ja auch weniger vernutzend wenn die Hälfte der Arbeitskräfte sagen "och, mir nicht so wichtig, ich gehe mal"- Sie glauben doch nicht wirklich, daß es bei diesem Geeiere um die Frauenerwerbsquote um Glück geht, es geht darum, die Lohnkosten weiter senken zu können durch Überangebot an Arbeitskräften.

Wir selbst fangen an, uns ins Ausland zu orientieren. Der dauerdruck von x arbeitslosen Kollegen, die den Job auch für weniger TVÖD machen würden, ist genug. Post-Doc-Stellen auf Sozialhilfelevel brauchen wir auch nicht, vor allem nicht wenn es dann heißt ": "och, wenn beide arbeiten, dann klappt das schon", also nicht nur Druck durch jede Menge Kollegen auf Stellensuche da ist, sondern die Löhne gerechtfertigt werden damit, daß der Partner ja wirtschaftlich selbständig zu sein habe.

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Da bin ich doch vollkommen einig mit Ihnen: Hosenknöpfe wieder anzunähen und selbst zu kochen, anstatt eine Dose aufzumachen oder eine Pizza in den Ofen zu schieben, ist sicher besser. Aber wo ist da der Anlass, Aufgaben geschlechtsgebunden aufzuteilen?

Dass "der" Feminismus jammert, ist mir auch noch nicht aufgefallen, denn "den" Feminismus als solchen gibt es gar nicht. Es gibt unterschiedliche Menschen, die unterschiedliche Positionen vertreten. Die These, Frauen an ursprünglich männlich konnotierten Arbeitsplätzen würden die Arbeitswelt menschlicher und irgendwie sozialer machen, ist ebenso alt und abgenutzt wie verkehrt. Fest steht aber dennoch, dass Frauen in der Gesellschaft nach wie vor nicht machen können, was sie wollen. Die Freiheit, sich für etwas zu entscheiden, ist nur eine halbe Freiheit, wenn sich eine Frau nicht unter denselben Umständen auch dagegen entscheiden kann. Es ist schön für Sie, dass sie sich für Daheimbleiben und viele Kinder entschieden haben, aber sie könnten als Frau die gegenteilige Entscheidung nicht treffen, ohne mit Schwierigkeiten und Ressentiments rechnen zu müssen. Da liegt doch der Hase im Pfeffer.

Die Hälfte der Arbeistkräfte kann nicht einfach so sagen, dass sie "mal geht", weil sie darauf angewiesen ist, für ihr Überleben einer Lohnarbeit nachzugehen. Sie haben auch nur deshalb die Möglichkeit, weil Ihr Mann genug dafür verdient. Dieses System löst sich nicht einfach auf, weil Sie sagen, dass Sie zuhause bleiben wollen. Ich sage nicht, dass eine hohe Frauenerwerbsquote die Lösung aller Probleme beinhaltet. Aber die Frauen, die arbeiten wollen, sollten das auch tun können, ganz gleich, welche Beweggründe sie dafür haben. Ebenso sollten die Männer, die mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen wollen, dazu auch die Möglichkeit erhalten, ohne dass das ihren Zukunftsperspektiven schadet. Wie sich die Arbeitswelt weiter entwickelt, ist keine national begrenzte Frage und vor allem auch keine geschlechterspezifische.

Dass Frauen nun verstärkt in den Arbeitsmarkt gedrückt werden sollen, um geringere Löhne durchsetzen zu können, das glauben Sie doch nicht ernsthaft, oder? Sonst, so behaupte ich mal, wären doch die Männer schon massenhaft in ihren Jobs abgelöst worden, weil sich immer eine gleich qualifizierte Frau findet, die für die Hälfte arbeitet. Ganz so simpel ist es dann aber doch nicht.

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Wenn so "neutrale" Instanzen wie die Industrie- und Handelskammern und Personen wie Herr Hundt die ganztagsschule begrüßen und auf die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung für Frauen in der Wirtschaft hinweisen, dann drängt sich mir der Verdacht auf, daß dahinter nicht Besorgnis um das Glück von Frau Müllermeierschulze steht. Ihnen nicht?
Wenn dieselben Instanzen auf die unendlichen Gefahren des Betreuungsgeldes hinweisen und die völlig falsche arbeitsmarktpolitische Stoßrichtung dieser Maßnahme betonen, dann frage ich mich, ob die bei Verantwortlichen bei PDS, SPD und GRÜN eigentlich mitbekommen, mit wem sie da im politischen Bett sind.

Es geht nru begrenzt um "wir ersetzen Männer durch Frauen, das ist billiger", obwohl interessanterweise in der Akademia die Professorengehälter in dem Zeitraum sanken als Frauen verstärkt in die Konkurrenz kamen. Ist schon einen zweiten Blick wert, daß Frauenarbeit weniger wert ist als Männerarbeit. Und nun frage ich mich, warum sollte frau ihre gute Arbeit zu weniger Geld verkaufen?

Es geht um ein völlig geschlechterunabhängiges Angebot an Arbeitskräften, die dauerhaft den Lohn senken. Wenn für Verlaufsperson X nicht im Zweifelsfall 3 andere bereitsstünden, die sie ersetzen können, würde El Cheffe sich wahrscheinlich drei Mal überlegen, ob er sie zu Überstunden "zwingt" mit der Kündigungsdrohung im Hintergrund.
Ich habe im Studium in einer Spedition gearbeitet. Irgendwann kam die Chefetage (auch nur subalterne Chargen) auf die absolut brilliante Idee, daß die Abfertigungsschicht (Feierabend so gegen 22 Uhr) um 2 Uhr nachts wenn alle LKW draußen waren, die Papiere fertigmachen sollten, was bisher eine eigene Frühschicht getan hatte, die dann eingespart werden sollte. Das sollte dann bis um 5 Uhr morgens geschehen sein, Arbeitsbeginn dann dafür eine Stunde später.
Super-Plan, oder? Sich dagegen zu wehren hat nur geklappt, weil ALLE nein gesagt haben, die ganze Schicht neu einzuarbeiten auf eins wäre nämlich teurer geworden als auf diesen Plan zu verzichten. Aber einzelne überlegten sich, daß sie den Job ja brauchen und dann müsse man halt, wenn es für die Firma gut ist ist es ja auch für mich gut... und so weiter.
Das hat mit Männern und Frauen wenig zu tun, aber Speditionskaufleute und andere Bürokräfte gibt es genug im Angebot des Arbeitsamtes, der schöne Satz "Wir haben schon Mittel und Wege, Sie zu zwingen" fiel tatsächlich.

Denn die Freiheit, zu sagen "f*ck you" ist immer nur soweit frei als man sich das leisten kann. Es täte vielen Arbeitsgebern aber gut, diesen Satz zu hören. Es kann doch nicht angehen, daß Lehrer nur 11 Monatsverträge haben und in den Sommerferien dann "hartzen".
Aber das ändern wir nur wenn so viele wie Möglich "da wo die Sonne hinscheint" sagen.

Vielleicht müßten wir gar nicht über Mindestlöhne reden, wenn Arbeitskraft eine gefragte Ware wäre. Wioe erreicht man das? Über Verknappung oder fällt Ihnen etwas schlaueres ein?


Etwas geschlechtsgebunden aufzuteilen ist nicht nötig, aber warum ist es ein echt toller Zug, wenn der Nachbar Hosenknöpfe annäht und bei mir irgendwie böse? Die Tätigkeit ist dieselbe.

Solange wir Reprodukltionsarbeit als "Strafe" ansehen oder als minderwertig und es als Manko sehen, daß Frauen diese verstärkt erledigen, werden wir auf keinem grünen Zweig ankommen.

Ich treffe die Frauen, die ganz dringend 40 Stunden die Woche arbeiten wollen und die nur dann glücklich sind, irgendwie nie. Statt dessen treffe ich Frauen, die unter der Mehrfachbelastung fast zusammenbrechen, das nenne ich unfair und vernutzend.


Was die geschlechtsgebunde Aufgabenteilung angeht: ich fände es unfair, jemandem mit 50 Stunden Woche zu sagen "ey, du bist dran mit Mülleimer leeren". Wenn er nach hause kommt, mag ich ihn auch mal da haben und nicht nur beim Putzplan erfülen zugucken.
Es gibt Stellen, die erfordern in den "Startjahren" Überstunden, die man besser nicht zählt.
Aber der Knackpunkt ist ein anderer: wieso ist Reproduktionsarbeit minderwertig? Das führt wenn man mal zu Ende denkt dann auch zu dem Schluß, daß jemandm, der nicht arbeitet weil er zB krank ist, auch minderwertig ist.

Die Geburtenrate werde ich allein nicht retten... insgesamt gesehen sollte man sich aber schon Gedanken machen, wie man das als Gesellschaft stemmen will wenn in 30 bis 40 Jahren die Arbeitskräfte signifikant weniger werden und damit auch die Finanzsituation sich verändert (Rente, Pflege, Steuern).
Die Wirtschaftsverbände haben das erkannt und fordern deswegen immer wieder die Kinderganztagsbetreuung, damit die Eltern freigestellt werden für die Erwerbsarbeit denn die Jahrgänge unserer Eltern bereiten sich langsam auf die Rente vor.
Die ausländischen Fachkräfte stehen nicht ganz so Schlange wie man immer gedacht hat- weder der Computer-Inder kam in Massen noch die polnische Krankenschwester.
Das führt dann langfristig zu der schon angesprochenen Verknappung von Arbeitskräften, und die fürchtet die Wirtschaft.

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in meiner branche ist schwangerschaft gleichbedeutend mit "arbeitslos forever".

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Das ist ein Problem, und zwar ein dickes, denn "schwanger" läßt sich wahrscheinlich auch durch "ein halbes Jahr krank" oder "eine Weile arbeitslos gewesen" ersetzen, oder?

Einerseits: schön für die Branche, wenn sie so wählerisch sein kann. Andererseits: wer mich vor diese Wahl stellt, soll seinen Mist doch alleine machen. Ohne mich.
Ich (damals im ÖD) bekam die de-facto-Kündigung in Form einer Vertragsnichtverlängerung als ich schwanger wurde und im Gespräch mit einer Kollegin gesagt hatte, daß ich nicht gedenke, auf den Mutterschutz zu verzichten. Eine andere Kollegin, zeitgleich schwanger, brauchte "so einen Mist" nicht, denn sie war ja Feministin und Frauen können das alles genau so gut wie Mänenr und brauchen keine Sonderbehandlung. Also hatte sie sich schriftlich (arbeitsrechtlich völlig irrelevant, ich weiß) verpflichtet, auf den Mutterschutz zu verzichten und damit hatte sie als sie aus dem Teil des Mutterschutzes kam, zu dem der Staat sie bevormundenderweise gezwungen hatte (also dem Teil nach dem Plankaiserschnitt) den Dauervertrag. Unter der Hsnd hieß es, es sei doch bekannt, wer schwanger werde, gehe halt für die Zeit der Schwangerschaft, kann danach ja wieder eingestellt werden.

Und nun soll ich weil sich irgendwo ein Arbeitskräftemangel abzeichnen könnte und man deswegen eines Tages andere, bessere Arbeitsbedingungen für alle bieten müssen könnte, den Murks wieder mitmachen? Aha.

Zur Zeit habe ich tatsächlich einen Arbeitsvertrag und bin erwerbstätig, zu meinen Bedingungen (größtenteils von zu Hause aus, Termine nur wenn Tigergatte hier übernehmen kann, freie Arbeitszeitenwahl, Geld ist den Aufwand auch wert). Drunter? Nie wieder, außer das Geld paßt nicht mehr. Dann möchte ich das aber als Notwendigkleit verstanden wissen und nicht als Wollen.

Wie man Lohnarbeit als emanzipatorischen Akt verstehen kann... muß ich morgen mal die SPD fragen, die werben um Stimmen. Oder die Grünen. oder die PDS, aber die läuft hier nicht so oft rum. Vielleicht verstehe ich es dann ja.

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Ich habe irgendwie den Eindruck, wir diskutieren hier naomi.wissans Grundbeitrag zu Tode, deswegen werde ich das jetzt nicht auswalzen.

Nur ein paar Punkte: Wenn es darum geht, durch Menschen, die bereit sind, zu einem niedrigen Lohn zu arbeiten, das Lohngefüge kaputt zu machen, dann ist das kein Geschlechterproblem. Und es können sich die Menschen nun einmal nicht leisten, einfach so ihren Job aufzugeben zu dem Zweck, Arbeitgeber unter Druck zu setzen. Eben weil sie Verantwortung tragen für Familien, Angehörige oder zumindest sich selbst. Wenn man keine Existenznöte hat und genügend Erspartes auf der Kante, reiche alte Eltern oder ein Erbe, einen gut verdienenden Partner - ja, dann. Aber mal ehrlich, wer hat den denn wohl noch?

Zu erklären versuchte ich, dass Reproduktionsarbeit nicht der Wertschöpfung unterliegt, nicht, dass sie weniger wert ist. Jegliche Arbeit hat ihre guten und ihre schlechten Seiten, und Sie neigen dazu, sich manchmal ziemlich höhnisch zu äußern, wenn davon die Rede ist, dass sich jemand in seiner Arbeit selbst verwirklicht. Aber warum denn eigentlich? Arbeit kann doch auch Freude machen - vielleicht nicht immer, aber doch häufig. Ich hatte auch Spaß bei meiner Arbeit. Zugleich sehe ich auch nicht ein, dass Hausarbeit zur totalen Erfüllung hochstilisiert wird, denn das ist sie nun wirklich auch nicht. Genau wie andere Arbeit mag auch sie mal Spaß machen (Muffins backen) und mal weniger (Müll raustragen, Klo putzen). Dass da viele Frauen ihr Seelenheil nicht allein in der Reproduktionsarbeit suchen wollen, können Sie ihnen doch nicht zum Vorwurf machen.

Etwas geschlechtsgebunden aufzuteilen ist nicht nötig, aber warum ist es ein echt toller Zug, wenn der Nachbar Hosenknöpfe annäht und bei mir irgendwie böse?

Weder ist es bei Ihrem Nachbarn toll, noch ist es bei Ihnen "böse". Ich verstehe es einfach nicht so recht, dass Sie glauben, die Außenwelt würde das, was Sie tun als "böse" oder gar "bedrohlich" einstufen. Es gibt einfach nur Menschen, die eine andere Rollenwahl treffen als Sie, und die dafür gute Gründe haben. Jeder Hans und Franz kann einen Hosenknopf annähen, das müssen nicht zwangsläufig die Frauen tun. Wenn sie es wollen, schön und gut. Aber wenn nicht, was ist daran so schlimm? Was ist so schlimm, wenn Ihnen jemand sagt, dass er Ihren Lebensentwurf für sich selbst nicht praktikabel findet? Sie selbst verwehren sich ja immer dagegen, pauschal über einen Kamm geschoren zu werden.

Wieso kann dann Lohnarbeit für andere Frauen kein emanzipatorischer Akt sein? Nicht alle sind Kassiererinnen und Klofrauen, es gibt tatsächlich Frauen, die ihre Talente, Fähigkeiten und Fachkenntnisse anerkannt sehen und sich über diese Anerkennung auch freuen. Sind die alle auf dem Irrweg? Und nur, weil sie noch keine getroffen haben, die gern 40 Stunden arbeiten will, heißt das nicht, dass man die Idee weiblicher Lohnarbeit gefälligst sofort völlig zu verwerfen hätte.

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Abhängige Beschäftigung ist, egal wer sie tut, kein emazipatorischer Akt. Er kann es gar nicht sein weil er abhängig ist.
Manchmal ist es nett, manchmal einfach nur banal, manchmal nervig und manchmal ernsthaft schlimm.

Klar schöpft Reproduktionsarbeit wert- sobald man sie professionalisiert durch was auch immer, ist sie plötzlich was wert. Sieht man das in harten Zahlen?

Der Staat finanziert lustigerweise ein paar Eltern im Kindergarten das Haus: selbst wenn sie den Betragshöchstsatz zahlen, schießt die öffentliche Hand immer noch grobe 500 Tacken pro Monat und Kind (also insgesamt 1000) dazu. Rechnet sich das für den Staat über Steuereinnahmen? Eher nicht, 12.000 Euro Steuern muß man erst mal zahlen.
Klares Verlustgeschäft.

Von mir aus sollen Leute meist tun was sie wollen (bei einigen "ich mach' aber was ich will" habe ich massivste Einsprüche), aber die allgemeine Angst davor, reduziert zu werden, abhängig zu sein oder auch den Spaß zu verpassen, ist eine Betrachtung wert. Vor was hat man Angst dabei? Vor der Leere? Die läßt sich füllen. Vor Geldmangel? Den kann man fast nie wirklich verhindern. Vor der Verantwortung, jederzeit für einen adenren Menschen da zu sein? Ist 'ne heftige Nummer, aber solange man da nicht drüber nachdenkt (wenn man das tut, will man nur noch weglaufen), kann das recht locker laufen.
Angst vor Identitätverlust? Meinen Job habe ich verloren, wenn ich meine Identität dran aufhänge, was in meinem Arbeitsvertrag steht, dann droht mir spätenstens bei Verrentung die Egokrise.

Es gibt anscheinend reihenweise Absolventinnen amerikanischer Elite-Unis (sauteuer), die hinschmeißen weil sie einfach keinen Bock mehr haben. Sollte man vielleicht auch nicht ignorieren. Und bevor man wie Mme Badinter aus dem Lebensentwurf von anderen ein Problem macht, sollte man fragen. "Ist das ein Problem für dich?"

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Abhängige Beschäftigung ist, egal wer sie tut, kein emazipatorischer Akt. Er kann es gar nicht sein weil er abhängig ist. - Das ist lediglich eine These. Vor allem im Hinblick darauf, wovon man sich emanzipiert.

Was Lebensentwürfe betrifft: Manche Paare und Frauen haben gar keine Angst, sondern wollen einfach nicht. Kann man das vielleicht auch mal respektieren, anstatt diejenigen Personen, die sich gegen Kinder entscheiden, zu pathologisieren und dahingehend bearbeiten zu wollen, sich doch noch umzuentscheiden? Steht wohl doch noch der biologische Imperativ hinter allem oder die Auffassung, das Abenteuer Familie müsse für alle Menschen gleichermaßen interessant sein, auch, wenn diejenigen das selbst noch gar nicht wissen.

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Ich habe Mme Badinter auch gelesen und dachte immer wieder "Maternalismus brauche ich ebenso wenig wie Paternalismus". Es ist mehr als ein wenig seltsam, wenn ältere Frauen jüngeren Fauen erklären, wie sie zu leben haben damit... ja, was eigentlich? Die ältere Frau glücklich ist? Feminismus als Selbstzweck? Ist das überhaupt Feminismus?

Feminismus ist die bewußte Parteinahme für Frauen. Frauen sind Individuen, also wird man kaum jemals für alle Frauen Partei nehmen können, allein der Anspruch ist schon ziemlich verquer, denn er impliziert, daß Frauen Einheitsmodellle sind, die alle das gleiche wollen.
Im Endeffekt läuft es auf Avantgarde-Konstrukte hinaus, in denen der "Masse" gesagt wird, was sie zu fodern habe von denen, die es besser zu wissen meinen.

Es ist meiner Ansicht nach ein absoluter Fehler, wenn man sagt, daß eine geschlechtsspezifische, "traditionelle" Aufgabenteilung automatisch bedeute, daß man nicht gleichberechtigt sei. Ich bin in meiner Ehe definitiv gleichberechtigt, auch wenn ich kein eigenes Einkommen erwirtschafte. Dafür müssen wir auch weder Kochliste (ich kann deutlich besser kochen als mein Ehemann) führen noch Putztabelle, jeder macht das, in was er effektiver ist und am Ende haben beide was davon. Partnerschaft ist doch mehr als der Zusammenschluß zweier Ich-AGs, die Einkommen, Ausgaben, Aufwendungen zeitlicher und emotionaler Art miteinander verrechnen.

Ich kann sehr gut verstehen, warum Frauen mit Kindern lieber ihr eigenes Ding hochziehen und "Marmeldade kochen" als Geschäft betreiben statt sich in die Tretmühle angestellter Arbeit zu begeben. ich habe jetzt seit 9 Jahren den Luxus, mir meine Zeit halbwegs frei einteilen zu können, mein eigener Chef zu sein und so weiter. Das soll ich aufgeben? Warum? Das einzige, was mich dazu bringen kann, ist Geldnot, und wenn es soweit ist, wird "die Karriere" kaum ein Instrument der Selbstverwirklichung sein.
Mme Badinter schreibt, daß die französische Frau ihr Kind problemlos dem Kindermädchen überlasse und Karreire machen geht, weil im Hintergrund präsent ist, daß sie Dame der Gesellschaft ist. Aha. Und das Kindermädchen? Ist wahrscheinlich weder Französin noch Dame oder wie kann ich das verstehen?

"Es ist aber auch so, dass wir abgesehen davon Menschen sind, die eine Aufgabe wollen."
Mich würde die "Aufgabe" in einem Großraumbüro Papierstapel abzuarbeiten, unglücklichst machen. Ist ja auch nicht jeder Mann Entdecker, Konzernkapitän oder somstewas spannendes, warum also annehmen, daß Frauen die langeweile ganz normaler Berufe erspart belibt?

"Die Erfolg wollen, Anerkennung, Geld, vielleicht auch Macht, die Unabhängigkeit wollen und ein richtiges Leben."

Ja, und das finden nur die wenigsten Menschen in ihrem bezahlten Beruf. Duie Macht des Postboten scheint mir eher gering zu sein, die der Kassiererin auch, der Frisör ist nun auch keine Weltmacht... der Verwaltungsfachangestellte im Sozialamt hat zwar Macht, aber wer mag schon den tyrannischen Sachbearbeiter oder will gar sein wie er?

"Abenteuer, Spaß und was es alles gibt." "Marriage is an adventure, like going to war (Gilbert Chesterton)
Es gibt kein größerese Abenteuer als sich selbst zu entdecken und Dinge zu tun, die man sonst NIE getan hätte. Ich habe völlig neue Seiten an mir kennegelernt, gelernt, was ich alles kann, wo ich vorher eher "ich laß mich krankschreiben" gesagt hätte, wie stark ich bin. Völlig übernächtigt aufzustehen und zu denken "ich weiß nicht wie ich das packen soll" und trotzdem weiterzumachen.
Mein Sinn für Abenteuer ist durch die mutterschaftsbedingte Erlösung vom Schreibtisch eher größer geworden. Früher war das größte Ärgernis, was mit unterkam, wenn ich meine Thermoskanne mit Tee vergessen hatte, heute jongliere ich die Terminpläne von 6 Leuten und Pipifax wie vergessene Teekannen machen mich müde lächeln. Manche Leute müssen aus völlig intakten Flugzeugen mit einem STück Stoff am Rücken hüpfen oder stürzen sich von Brücken mit Gummibändern an den Füßen, um ihre eigenen Grenzen zu überschreiten. Das mag Spaß machen, aber gegen Echtes Leben ist das doch irgendwie nur Spielplatz.

"Ich will nicht aufgrund des Umstandes, dass ich vorübergehend einmal an ein Kind gefesselt bin, mein komplettes Dasein nur darauf beziehen."

Erstens kenne ich nur wenige Mütter, die ihr "ganzes Dasein" auf das Kind beziehen. Die meisten sind eigentlich ganz normale Menschen, die wesentlich mehr Persönlichkeit haben als "ich hab' ein Kind".
Zweitens frage ich mich, ob Bindung an einen anderen Menschen jemals ohne "Fessel" sein kann, also ein Band, das hält, auch wenn man es zeitweise wegwünscht. Bindungen an andere Menschen, die tragen, sind "Fesseln", aber was wäre das leben ohne? Langweilig und sehr, sehr einsam.


"Aber bitte, wer sagt schon nein zu seinem Partner, wenn dieser freiwillig die Erziehung, den Haushalt und dazu noch einen Job übernimmt? Da kommt extra Kohle ins Haus und ich hab eine Nanny plus Hausfrau. Ist doch prima, oder?"

Deswegen bin ich ja auch eine befreite Frau :-)
Ein Feminismus, der uns großzügigst "erlaubt", uns kaputtzurackern in all' diesen Bereichen, ist ein Feminismus ohne mich.
Ich bin froh, diesen Hassel für's erste hinter mir gelassen zu haben und Leben zu können.

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liebe Frauen
Danke für diesen tollen Beitrag und für die anregende Diskussion... was mir manchmal "Sodbrennen" verursacht sind nicht die Reaktionen der Männer, sondern die der Frauen. Ich bin Akademikerin und war längere Zeit arbeitslos (nachzulesen in meinem Blogg)...oh Freude...ich habe einen Job ergattert, 40 Stunden - VOLLZEIT... Ja UND ich bin MUTTER!! Wie kann man nur - die allgemeine Meinung der teilzeit-home-office-Mütter Cousinen. Mir wurde nicht nur einmal die Geschichte von einer "guten Bekannten" erzählt die nach kurzer Zeit an ihrem 40 Stunden Job scheiterte "das geht halt nicht, mit den Kindern"! Liebe Ladies, unsere Problematik ist doch hausgemacht! Solange wir uns alleinverantwortlich für unsere Sprösslinge fühlen und die Herren der Schöpfung nach wie vor nicht wissen wie Mann denn eine Waschmaschine bedient... ist der Feminismus nach wie vor eine Illusion!

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Auch mal wieder hier...
Nachdem ich längere Zeit abwesend war, muss ich nach meiner Rückkehr sagen, dass ich begeistert über die Reaktionen bin. Danke euch anderen Frauen, es scheint (egal, welcher Ansicht oder Einstellung man selbst folgt) so viel Brisanz in diesem Thema zu liegen und anderen genau so zu gehen wie mir.
An "arbeitslos-so-what-the-f": genau das habe ich am Ende meines ersten Beitrages gemeint: was ist mit den Vätern? Solange wir und nur wir versuchen, alleine mit dem Thema Kinder und Beruf fertig zu werden, so lange ist es doch für die Väter das Bequemste auf der Welt! Wer geht denn eine Packung Milch kaufen, wenn er welche im Haus hat? Vielleicht ein nicht so gelungenes Beispiel, aber ich meine damit, wenn Väter Frauen haben, die sich mit Haushalt, Kindern und einem Job abmühen, wieso sollten sie dann noch glauben, etwas tun zu müssen? Leider, aber wir müssen fordern. Wir müssen von den Ehemännern oder Väter fordern, was wir wollen. Was wir brauchen.
Ich habe selbst einige Jahre im Familienrecht gearbeitet und die knallharte "emanzipierte" Realität gesehen: Mann und Frau heiraten, lieben einander, bekommen Kinder. Mann arbeitet und Frau und Mutter bleibt zunächst daheim und arbeitet danach in Minijobs oder Teilzeit. Anschließend (und ja, es ist fast immer so) trennen sich die beiden und lassen sich scheiden. Der Mann findet rasant eine neue Frau. Die will auch Kinder, er zahlt also Unterhalt an seine Kinder aus der ersten Ehe und an das neue Kind. Was passiert mit der ersten Frau? Nun was schon, für sie bleibt kaum etwas übrig, sie übernimmt (wie fast immer) die Kinderbetreuung und muss sich laut Gesetz nun selbst um ihre Existenz kümmern. Und auch wenn sie unter besonderen Umständen, die sie erst einmal beweisen muss, noch Unterhalt bekommen würde, bleibt eben einfach kaum noch etwas vom Einkommen des Mannes übrig. Wer schaut also durch die neuen Gesetze dumm aus der Wäsche? Eben.
So unromantisch es klingt, eigentlich sollte jede vernünftige Frau, sobald das Thema Kind auf dem Tisch liegt, auf einen Ehevertrag bestehen. Für ihre Rente, für den Fall der Scheidung und für ihren Unterhalt. Unromantisch? So was von! Aber die Zeit hat sich geändert.
Und mich betrifft es einfach, weil ich mich nicht einmal traue, Kinder zu bekommen. Was wird dann aus mir? Ich kann mein Studium hinwerfen und in der Mutterschaft die Erfüllung finden, ich kann arbeiten gehen und mein Kind in die Krippe bringen oder eine andere Lösung finden. Was auch immer, der Mann bleibt bei der Arbeit und mein Leben verändert sich. Und was, wenn wir einmal keine Familie mehr sind? Lebe ich dann von Hartz-IV? Muss ich meinen Mann auf Unterhalt verklagen? Wer gibt mir wenigstens etwas Sicherheit? Schließlich bringen wir Frauen der Gesellschaft den Nachwuchs, aber was gibt sie uns zurück?
Achja, genau: 184€ Herdprämie. Davon kann ich mir ein Sky-Abo kaufen, wenn ich schon nur noch daheim rumsitze mit einem Kind, das eigentlich in den Kindergarten gehört...danke Staat.

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Etstmal "gehören" Menschen nicht per se in Institutionen.

Zweitens beträgt das Betreuungsgeld 100 bzw 150 Euro, die 184 Euro sind Kindergeld, das zum Unterhalt des Kindes gedacht ist. Das ist auch keine "Herdprämie", sondern ein verfassungsmäßig gebotener Lastenausgleich lt Verfassungsgericht.

Drittemns: ja, die Gesetzeslage ist beschissen für Menschen, die zwischendrin mal Familienarbeit (kan auch pflege älterer, behinderter oder kranker Angehöriger sein) geleistet haben. Das kann man ändern und ich stecke meine Kraft lieber da rein als in irgendwelchen zweifelhaften Institutionsausbau. Vor zwei Jahren wurde in Bremen die Summe, die ein Kindermittagsessen in einer städtischen KiTa kosten darf, gekürzt. Nun steht die Umstellung von 2 Erzieherinnen pro Gruppe auf 1 Erzieherin plus eine Sozialassistenz an.

Sollte ich weines Tages mal keine Familie mehr haben... verflixt, ich könnte Zeit haben. Mache ich mir Sorgen, wie ich die fülle? Nö, mir fällt schon was ein.

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